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ACK- im Raum Betzdorf/Kirchen

Erklärung zum Sonntag






Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen im Raum Betzdorf/ Kirchen

„Zum Einkaufen am Wochenende gehören verkaufsoffene Sonntage … einfach dazu.“ 1

Wir fragen: Was wird aus dem Sonntag?

Als Christinnen und Christen aus verschiedenen Konfessionen kritisieren wir nicht die Grundsätze sozialer Markwirtschaft. Wir begrüßen grundsätzlich die gesellschaftliche Pluralität von Meinungen und Lebensauffassungen. Im Interesse aller erinnern wir an den Sonntag als eine geschenkte Zeit, die Raum gibt, das eigene Leben und Handeln zu überdenken und von der Last des Alltags frei zu werden. Diese geschenkte Zeit sehen wir in Gefahr.

In der Vergangenheit haben Kirchen zusammen mit den Gewerkschaften gegen die zunehmende Ökonomisierung menschlichen Lebens protestiert. Ursprünglich ging es dabei um die Sonntagsarbeit in der industriellen Produktion. Dabei wurde von den Kirchen stets betont, dass bestimmte Tätigkeiten (z.B. in der Medizin und Pflege) selbstverständlich auch am Sonntag getan werden müssen. Mit der Öffnung des Sonntages als Tag des Konsums ist nun ein weiterer Schritt zu Ökonomisierung des Lebens erfolgt.

Zwar sind in Rheinland-Pfalz in jeder Gemeinde „nur“ vier verkaufsoffene Sonntage im Jahr möglich, doch wird diese Begrenzung durch die gegenseitige Abstimmung der Kommunen in der Region faktisch ausgehebelt: An vielen Sonntagen kann in unserer Region in „bunter Reihenfolge“ eingekauft werden. So wird der Sonntag als geschenkte Frei-Zeit missachtet und sein dauerhafter Schutz faktisch permanent in Frage gestellt.

Wir wehren uns dagegen, dass das Recht auf „Shopping“ zu einem Bürgerrecht verklärt wird. Wir meinen, dass Waren der Befriedigung von Bedürfnissen dienen können. Das von vielen empfundene „Erlebnis“ des Einkaufens stellt für uns in Wahrheit nur einen Anreiz zum Kaufen dar – einen eigenen Wert hat dieses künstlich erzeugte „Erlebnis“ nicht.

Wir wehren uns dagegen, dass mit dem so genannten Erlebniseinkauf – möglichst rund um die Uhr - der wahre Preis des Konsums nicht mehr problematisiert werden soll. Wir Menschen brauchen gemeinsame produktions- und konsumfreie Zeiten, um über die Gefahren des rastlosen Verbrauchens von Lebenszeit, Arbeitskraft und Natur nach zu denken.

Wir wehren uns dagegen, dass unsere Sehnsucht mit dem Kauf von Waren gestillt werden soll. Man kann den Menschen auch dadurch erniedrigen, dass man ihn mit zu kleinen Zielen abspeist. Der Sonntag als Ruhetag hält die Fragen offen, warum und wie wir miteinander in der einen Welt leben sollen. Er öffnet unsere Sehnsucht nach Gerechtigkeit und Freiheit für alle Menschen und mahnt uns, gemeinsam danach zu suchen.

Wir wehren uns dagegen, dass unsere Kinder und Jugendlichen mit dem Eindruck aufwachsen sollen, dass eine Anhäufung von Waren heilsames Wachstum und wahres Glück für alle verspricht. Der Sonntag als Ruhetag für alle kann ihnen zeigen, dass es Werte in Familie und Gesellschaft gibt, die heilsamer für sie selbst und die ganze Schöpfung sind.

Für uns Christen ist der Sonntag der Tag der Auferweckung Jesu von den Toten. Der lebendige Gott ruft uns zu: Nicht der Tod, sondern meine Liebe zu den Menschen hat das letzte Wort. Gottes Liebe gilt allen Menschen. Unsere Gottesdienste ermöglichen diese Erfahrung. Gott gebraucht uns, um Leben zerstörende Strukturen und Mächte in Frage zu stellen und zu verwandeln.

Für uns ist der Sonntag in der Tradition des Judentums der Tag der Befreiung von allen Zwängen. Hergeleitet aus dem jüdischen Sabbatverständnis ist der Sonntag ein unverzichtbarer Ruhetag für Gott und die ganze Schöpfung. Dies gilt grundsätzlich für jeden Sonntag.

Darum fordern wir unsere Kirchengemeinden auf:

- öffentlich und vor Ort gemeinsam zu widersprechen, wenn Sonntagsveranstaltungen in unseren Städten und Gemeinden bewusst oder unbewusst christliche Feste und Themen für Konsum steigernde Zwecke in Anspruch nehmen.

- zu protestieren, wenn das Programm der verkaufsoffenen Sonntage in unseren Städten und Gemeinden bereits am Vormittag beginnt, insbesondere, wenn zu dieser Zeit noch Gottesdienste stattfinden.

- unsere Gemeindegruppen nicht an privaten Konsum und den kommerziellen Verkauf fördernden Veranstaltungen am Sonntag zu beteiligen, auch nicht, wenn diesen dafür Geld angeboten wird.

- sich kritisch zu fragen, ob eigene Veranstaltungen an einem Sonntag sich erkennbar genug von der Konsumwirtschaft verkaufsoffener Tage in unseren Städten und Gemeinden unterscheiden.

- sich kritisch zu fragen, ob unsere Angebote in den Gemeinden und ihren Gruppen offen genug sind für all die, die von ihrem geringen Einkommen kaum oder gar nichts übrig haben.

- unsere Gemeindemitglieder, die sich in Vereinen und Verbänden organisieren und engagieren, über die Bedeutung des Sonntags zu informieren, so dass sie den Mut gewinnen, für nicht-kommerzielle oder halb-kommerzielle Veranstaltungen Formen und Zeiten zu finden, die den Sonntag als Tag gemeinsamer Ruhe und Besinnung Wert schätzen.

- Formen der Sonntagsgestaltung zu entwickeln, die im individuellen wie im gemeinsamen Leben eine Erholung und Besinnung ermöglichen. Diese Formen sollen auf möglichst breiter Ebene kommuniziert, erprobt und weiter entwickelt werden.

- die Zerstörung natürlicher Lebensgrundlagen der Schöpfung und die massive Missachtung von Menschenrechten durch die Produktion von Waren und unseren privaten Konsum in der Gemeindearbeit und den gottesdienstlich-spirituellen Angeboten zum Thema zu machen, so dass in und durch die Gemeinden Alternativen thematisiert, erprobt und in den gesellschaftlichen Alltag eingebracht werden können.

- in unseren Städten und Gemeinden anzuregen, wie besondere Veranstaltungen, die an den Verkauf von Waren gebunden sind, an anderen Tagen abgehalten werden können.

- denen eine Stimme zu geben, die vor Ort unter geringfügigen Beschäftigungsverhältnissen leiden und jenen, die in der so genannten „3. Welt“ an der Produktion von Konsumgütern beteiligt sind, dafür aber keinen gerechten Lohn erhalten. Für sie wollen wir Politik und Gesellschaft sensibilisieren und zu einem gerechten Wandel ermutigen.

- auf diejenigen zu hören, die zwar nicht gezwungen sind, aber faktisch unter dem Druck stehen, sonntags zu arbeiten oder ihr eigenes Geschäft zu öffnen. Ihre Not ist kein Zwang, sondern von uns Menschen selbst gemacht. Mit ihnen, der Politik und Gesellschaft soll überlegt werden, wie dieser Druck in Frage gestellt werden kann.

Wir wünschen uns, dass unsere Forderungen in unseren Gemeindeleitungen und wo möglich in den kirchlichen Gremien diskutiert und so in die Gemeinden und in das Gespräch mit Politik und allen gesellschaftlichen Gruppen weiter getragen werden.

Wir bitten unsere Kirchengemeinden und die Verantwortlichen in Politik und Verbänden um Rückmeldungen über Ideen, Fortschritte und Vorschläge, um eine heilsame Sonntagskultur in unserer Region zu entwickeln. Der Leitungskreis der ACK wird in einem Jahr eine erste Bilanz ziehen.
Einstimmiger Beschluss der ACK im Raum Betzdorf-Kirchen durch ihre Delegierten am 26.5.2010


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Homepage: verkaufsoffenesonntage.com

 

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