„Beten – so könnte es gehen…“ war Thema eines ganz besonderen Einführungs-Gottesdienstes im Evangelischen Gemeindezentrum in Weyerbusch. 16 Frauen und Männer aus vier Kirchengemeinden des Evangelischen Kirchenkreises Altenkirchen wurden dort zum „ehrenamtlichen Dienst in der Gestaltung von Gottesdiensten“ durch Superintendent Marcus Tesch beauftragt.
Die „Neuen“ – im Gemeindejargon kurzerhand auch „Lektoren und Lektorinnen genannt – können nun in ihren Heimatgemeinden Birnbach, Wissen, Betzdorf und Almersbach Gottesdienste mit gestalten, selbstständig halten und erweitern damit die Gruppe der Menschen, die auf den Kanzeln Dienst tun. Davon ausgenommen sind Sakrament-Dienste wie z.B. Abendmahl, Beerdigungen und Trauungen.
Ausgebildet wurden sie in drei Wochenendseminaren in Weyerbusch durch Pfarrerin Serena Hillebrand vom Evangelischen Erwachsenenbildungswerk Süd (eeb) aus Simmern/Hunsrück.
In verschiedenen Lerneinheiten rund um Liturgie, Gottesdienstabläufe, Bibelkunde, Sprache und in einer „Schreibwerkstatt“ erhielten Petra Bettgenhäuser, Kerstin Enders Becker, Ute Klevesahl, Katharina Klock, Markus Koch, Clarissa Saynisch, Petra Stroh (alle Friedensgemeinde im Raiffeisenland), Heike Brüning, Anja Güdelhöfer, Stephanie Koslowski, Sabine Roesner, Michaela Scholz, Armadine Steffes (alle Kirchengemeinde Wissen), Monika Roller, Thorsten Vogel (Kirchengemeinde Betzdorf) und Jan Kulpe (Kirchengemeinde Almersbach) das entsprechende Rüstzeug für ihren Dienst.
Vor rund zwei Jahren hat die Evangelische Kirche im Rheinland die Möglichkeit geschaffen, dass sich Menschen für diese Art des Kanzeldienstes ausbilden lassen können und damit das gottesdienstliche Angebot vor Ort bereichern.
Etwas schwierig gestaltet sich immer noch die Benennung der „Neuen“. Der Begriff der Lektoren/Lektorinnen ist traditionell besetzt: so heißen diejenigen, die in Gottesdiensten einzelne Lesungen in Absprache mit den Gottesdienstverantwortlichen übernehmen. Diese Dienste sind auch weiterhin wichtig und werden sehr oft von Ehrenamtlichen übernommen.
Daneben ist bei den „Kanzeldiensten“ in der Evangelischen Kirche neben den ordinierten Pfarrerinnen und Pfarrern, den weitergebildeten Diakoninnen und Diakonen auch noch die wichtige Gruppe der Prädikantinnen und Prädikanten im Einsatz. Auch diese sind Ehrenamtliche, werden aber weitaus umfassender ausgebildet, tragen Talare in ihrem Dienst, der alle liturgischen Aufgaben umfasst. PrädikantInnen halten nicht nur Gottesdienste, sie sind etwa auch bei Taufen und Beerdigungen im Dienst.
„Am Reformationstag haben wir das Priestertum aller Gläubigen erneut betont, und nun werdet Ihr neue Farben in unsere Gottesdienste bringen“, freute sich Superintendent Marcus Tesch bei der Einsegnung der neuen Gottesdienst-gestalter. Hatte er doch zuvor den von allen Lehrgangsteilnehmern vorbereiteten Gottesdienst zum Thema „Beten“ in seiner bereichernden Vielfalt erlebt. Der Superintendent dankte allen, die sich für diesen Dienst begeistern ließen und das Ausbildungspensum bewältigt hatten. Ein besonderer Dank galt zudem Pfarrerin Serena Hillebrand, die nicht nur mit Können und Wissen, sondern auch mit ihrer begeisternden Art die Freude der 16 Frauen und Männern für ihre Ausbildung „herauskitzeln“ konnte. Der anfänglichen Scheu der Ehrenamtlichen vor einer „großen Aufgabe“ setzte Hillebrand viel Zuspruch und Mutmachendes entgegen.
Dank galt auch Prädikant Frank Schumann von der Friedensgemeinde im Raiffeisenland, der sich beharrlich für das Ausbildungsangebot vor Ort eingesetzt hatte und die Gesamtorganisation managte.
„Euer Gottesdienst hat mir nicht nur sehr gefallen, sondern auch ganz viel Zuversicht gegeben“, freute sich eine Gottesdienstbesucherin im Anschluss. „Ihr zeigt, dass auch eine kleiner werdende Kirche sehr lebendig ist und Zukunft hat!“ PES


